oder sinnloses Geschwafel
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Immer, wenn ich mich innerlich zerreiße und keinen Ausweg sehe, komme ich wieder hierher.
Es ist interessant. Dieser Blog ist für mich ein Ort geworden zu dem ich ab und zu hingehe und Gedanken und Gefühle ablege. Dann verlasse ich ihn schnell wieder, fürchte mich vor ihm und komme erst wieder, wenn die Not groß ist. Aber ich schaue nicht nach den Dingen, die da bereits liegen, nein ich werfe neue Dinge auf den Stapel. Lasse das Alte unangetastet. Vielleicht ist genau das mein Problem.

Es läuft momentan ziemlich schlecht. Mein Wahn nach Hungern und Dünner werden wird immer größer. Mein Körper verändert sich, wird dünner und kränker. Seit gut fünf Monaten bin ich nicht mehr auf einen grünen Zweig mit meiner Gesundheit gekommen. Erschreckend, aber ich kann dennoch nicht anders.

Inzwischen sind meine Kontakte hier ziemlich eingedämmt. Sindy und ich unterhalten uns ab und zu nochmal. Mit Simone red ich gar nicht mehr. Martin und Daniela machen sich große Sorgen um mich (grade nach dem letzten Aufenthalt auf der Intensiv) und genau diese Sorge lässt mich weichen. Aber auch die ewige Angst vor Kontrolle und Verboten (die aus der Sorge resultieren). Die Angst vor Zurückweisung, Vertrauensbruch und Verletztwerden (was leider zu oft hier vorkommt).

Juliane ist momentan mein einziger Halt. Mit ihr kann ich reden. Ihr kann ich alles sagen. Sie versteht mich, versteht meine Ängste und Gefühle, sie kann mir aber auch ihre Sorge um mich sagen, ohne, dass ich zurückweiche. Weil ich sie kenne, weil ich sie einschätzen kann, weil ich weiß, sie ist eine von uns. Eine Ana.
Jetzt ist es offiziell. Letzte Woche ein psychiatrisches Gutachten gehabt. Diagnose Anorexia nervosa. Magersucht.
Das Gutachten in die Hand gedrückt bekommen, dazu noch eine Empfehlung zur stationären Therapie und ich durfte gehen. Was meine Gedanken und Gefühle angeht. Es hat keinen interessiert. Wieder eine Diagnose mehr oder endlich mal die richtige? Und was fängt man damit nun an? Man kann sie sich aufschreiben und an die Wand hängen, kann allen erzählen, was man hat, kann sich und sein Verhalten dadurch entschuldigen. Aber warum brauch man sie wirklich? Das Leben kommt mir merkwürdig vor.

Ich fühle mich, ich will es in einem Bild ausdrücken. Ich sitze in einer Bibliothek umgeben von vier mächtigen Schrankwänden, überall Bücher, überall Wissen. Die Regale ragen hoch bis in die Luft, bis in die Unendlichkeit. Ich kann das Ende nicht sehen! Um mich herum schwirren Zahlen, Buchstaben, Worte. Ich kann sie sehen, aber keinen Zusammenhang verstehen.

Das ist also die Welt? Das alles erklärt die Welt? Zahlen, Worte Buchstaben? Eine Diagnose. Wieder ein neuer Versuch meine Person zu definieren, in irgendein Raster zu pressen, um dann gegen meine Anormalität vorgehen zu können, um mich normal zu machen, um mich zu einer Zahl einem Wort, einem Buchstaben zu machen. Diagnose.

Ich habe kaum noch Kontakt zu meinen Eltern. Nach dem ich meine kleine Schwester aus der Klinik rausgeholt habe, hat sich was verändert. Mein Vater ist kälter geworden, meien Mutter war schon immer kalt. Und ich die Hülle meines Seins. Es ist besser so. Alle haben mir dazu geraten, ich versuche danach zu handeln. Ist das die Normalität? Jetzt fühle ich mich noch einsamer. Noch verlassener. Jetzt hat das Fass wirklich keinen Boden mehr.

Ist das die Welt?

Im Nebenzimmer sitzen sie zusammen, lachen, albern, schauen fern und sind einfach Menschen. Ich sitze hier, lache nicht, bin nicht albern, schaue kein fern. Frage mich lediglich:

Ist das die Welt? Die Welt, in der ich leben soll und sie auch noch verstehen soll?
23.4.07 20:26


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